Scubabavaria
Tauchtour Marsa Alam Hotel: Oasis    Tauchcenter: Werner Lau & Sinai Divers
Fast wie im Gebirge fühlt man sich, wenn man vom Oasis zum Nachbarhotel Kahramana wandert. Der Weg beginnt direkt am Strand und führt über schmale Pfade über die gut 30 Meter hohe Steilküste. Außer einem wirklich guten Panoramablick findet man hier vorwiegend in sattem Rot leuchtende Hügel. Etwas tiefer lohnt es sich, die Felsen und den Boden etwas näher zu betrachten. Denn bis in etwa 20 Meter Höhe über dem Meer findet man Spuren von Muscheln, Schneckenhäusern und Korallen. Was darauf hin deutet, dass dieser Teil der Küste einmal unter Wasser gestanden hat.
Direkt an der Küste, mit dem Rücken zum Meer und gut 30 Meter über selbigem stehend, ist es leicht, sich vorzustellen, auf dem Wohnsitz des griechischen Kriegsgottes Ares (Mars) zu stehen. Allein die salzige Luft und das Rauschen der Brandung holt einen in die Wirklichkeit zurück. Na ja, vielleicht auch noch die Sonne, die recht deutlich auf sich aufmerksam macht. Schließlich sind wir hier im Süden. Ziemlich genau 280 Kilometer von Hurghada entfernt. Der Stadt, in der der Tauchsport im Roten Meer praktisch begründet wurde. Und hier, in Marsa Alam, erinnert man sich an Tauchpioniere, die von einsamen Küsten und einem kleinen Fischerdorf sprachen. Heute kann man Hurghada bereits als größere Stadt bezeichnen, mit einem nicht mehr überschaubaren Angebot an Hotels, Geschäften und natürlich Tauchbasen. Ganz anders hingegen ist Marsa Alam, wo sich schon die Suche nach einem Friseur als eher schwierig erweist. Nur zum Haare schneiden kommen allerdings die wenigstens hierher. Die meisten zieht es Richtung Wasser und dort noch ein oder zwei Stockwerke tiefer. Dabei findet das Tauchen hier weitgehend im Bereich der Küste statt. Denn weiter draußen liegende Riffe gibt es nur wenige. Dafür aber recht berühmte, wie das Elphinstone Riff. Ein Highlight, das von dem ein oder anderen Hotel aus, wie dem Oasis, auch schon mal mit dem Zodiac angefahren wird. Die Mehrzahl der Tauchplätze erreicht man jedoch mit dem Jeep oder Minibus. Einerseits ist es sehr schön schon nach 10 bis 15 Minuten vor Ort zu sein, andererseits ist es nicht unbedingt bequem, sich am Strand in sengender Hitze umzuziehen und über steinige Riffdächer zur eigentlichen Einstiegsstelle zu marschieren. Zudem wird der Hauch von Ursprünglichkeit und Abenteuer geschmälert von den, teils kommerziell genutzten Strandabschnitten, an denen die Tauchplätze schon mal liegen.
Es ist 05:10 Uhr morgens, als eine schöne, aber nicht gerade willkommene Melodie aus dem Handy klingt. Doch wer früh tauchen will, muß auch früh aufstehen. Hat man das erst einmal geschafft, wird man an guten Tagen von einem fantastischen Sonnenaufgang begrüßt. Und während das Briefing nützliche Informationen über den Tauchplatz preisgibt, fahren die ersten Jeeps los, um die Ausrüstung nach Marsa Abu Dabbab zu bringen. Gefolgt von den Tauchern, die es sich in klimatisierten Minibussen bequem machen dürfen. Etwas irritiert verläßt man diese nach nur 10 Minuten wieder und betritt den eingezäunten Strandabschnitt einer klassischen Badebucht. Hier soll ein guter Tauchplatz sein? Vom ersten Eindruck her schwer zu glauben. Erinnerungen ans Briefing drängen sich ins Bewusstsein. In der Mitte eine Seegraswiese und links und rechts davon Korallenriffe, die bis in 20 Meter Tiefe reichen. Weit reicht der Blick über die Bucht, aber sattes Blau, das auf tieferes Wasser hindeutet, ist nicht zu sehen.
Im Wasser heißt es dann tief ausatmen. Nur mit wenig Luft in der Lunge schafft man es bei nur 3 Meter Wassertiefe unten zu bleiben. Im Falle des nördlichen Riffs für gut 15 bis 20 Minuten, denn früher erreicht man tieferes Wasser eher nicht. Doch unser erstes Ziel sind die Seegraswiesen. Der ein oder andere Mittelmeertaucher wird minutenlang darauf warten, diese endlich zu erreichen und erst allmählich begreifen, dass er sich schon mittendrin befindet. Vereinzelte, mehr bräunliche als saftig grüne, Halme sprießen aus dem sandigen Boden. Zu wenig, um wirklich Eindruck machen zu können und im Vergleich mit manch gut bewachsenem heimischen See eigentlich nicht der Rede wert. Eigentlich, es sei denn wenn man, mit etwas Glück recht früh, mit Pech erst nach 40 Minuten, den Grund für die Spärlichkeit entdeckt.
Ein stattlicher Geigenrochen.
Schildkröten! Von einer Größe, dass manch Taucher sich dahinter verstecken kann. Absolut gelassen und unbeeindruckt von all den Tauchern weiden sie in fast stoischer Ruhe die Halme ab. Um dann unerwartet den Kopf zu heben, sich vom Boden zu lösen und zur Wasseroberfläche aufzusteigen, wo sie sich einen gelegentlichen Atemzug gönnen. Und immer wieder gibt es auch einige, die bereit sind, für eine schöne Aufnahme zu posieren.
Ganz anders die Geigenrochen, die ebenfalls hier zu finden sind. Sie huschen in reger Geschäftigkeit dicht über den Boden, auf der Suche nach schmackhaften Krebsen, die sich im Sand verstecken. Nicht zu verachten ist aber auch der Flachwasserbereich, wo in knapp 2 Meter Tiefe Kofferfische und junge Kugelfische zu finden sind und Taucher zuweilen auch recht nah an sich heranlassen. Ganz anders die beiden Imperator Kaiserfische, die nur Zentimeter vom Ufer entfernt jeden Fuß attackieren, der abseits des eingezäunten Einstiegsbereichs ins Wasser gesetzt wird. Natürlich nur zum Schein, aber doch auffallend und absolut sehenswert. Und schon kurz nach Ende des Tauchgangs erkennt man auch den Grund, warum es besser ist, hier in aller Frühe zu tauchen. Denn Busse bringen weitere Taucher, Schnorchler und Badegäste.
Elphinstone. Eins der berühmtesten Riffe des südlichen Roten Meeres. Bekannt für häufige Sichtungen von Hammerhaien und Weißspitzen Hochseehaien. Benannt ist das Riff nach seinem Entdecker (Elphin) und einem Granitstein, der, für Sporttaucher leider unerreichbar, in 55 Meter Tiefe liegt. Das Besondere an diesem Stein ist, dass er von Größe und Art identisch ist mit den Steinen, die in Grabkammern von Pyramiden verbaut wurden. Das Elphinstoneriff ist ca. 450 Meter lang und bietet beachtliche Steilwände, die erst in gut 50 Meter Tiefe ein Plateau finden, bevor es weiter bis auf 250 Meter Tiefe geht. Da das Elphinstoneriff nur 7 Kilometer von der Küste entfernt ist,
ist es von einigen Dive Resorts schon mit dem Zodiac innerhalb von 20 Minuten erreichbar. Und glücklicherweise sind diese Zodiacs etwas größer und geräumiger, als die, die man auf Safaribooten zur Verfügung hat. Das Riff selbst ist übrigens gut vergleichbar mit Abu Kafan, südlich von Safaga. Auch hier gibt es im Norden und Süden des Riffs Plateaus, die sehr gut mit Weichkorallen bewachsen sind. Die Steilwand ist ebenfalls wirklich dicht bewachsen und übersät von roten Riffbarschen, zwischen denen man immer wieder Juwelenbarsche findet. Auch Nacktschnecken lassen sich vom geübten Auge entdecken.
Jedenfalls, wenn einem die Strömung Zeit dafür lässt. Während man an ruhigen Tagen gemütlich an der Wand entlang schweben kann, gibt es aber auch Zeiten, wo die Strömung einen mit beachtlicher Geschwindigkeit an der Wand vorbei treibt. Und wenn man da keinen Strömungsschatten findet, sollte man nicht damit rechnen, allein mit Flossenkraft eine Position halten zu können. Insgesamt ist die Strömung nicht zu unterschätzen und kann im Norden auch mal vom Riff wegführen. Daher sollte man immer eine Boje mitführen, die man in solchen Fällen rechtzeitig zur Oberfläche aufsteigen lässt, um Zodiacs oder Bootsbesatzungen auf sich aufmerksam machen zu können, bevor man hunderte Meter vom Riff entfernt ist. Immerhin
ist eine Boje wesentlich leichter und auch über größere Distanzen zu sehen, als der Kopf eines Tauchers. Auch sollte man nicht unbedingt dazu neigen, ein mulmiges Gefühl zu bekommen, wenn man in unendliche blaue Tiefen blickt. Denn diesen Ausblick hat man hier reichlich. Speziell, wenn man sich ein wenig vom Riff entfernt, um Ausschau zu halten nach dem ein oder anderen Hai. Vielleicht sollte man dabei aber eher öfter auf den Tauchcomputer blicken, denn man verliert allzu leicht das Gefühl für die Tiefe und gerät zuweilen unerwartet schnell in kritische Bereiche der Nullzeit. Zwar wartet das Riff auch im oberen Bereich zwischen 5 und 12 Metern mit reichlich Farben und Fisch, aber wer zu früh aus der Tiefe heraus muß, weil er vielleicht zu früh auf Tiefe gegangen ist, dem könnte noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit entgehen. So gibt es zum Beispiel eine Grotte im südlichen Bereich der östlichen Steilwand. Doch nicht die Grotte ist das sehenswerte, sondern die Chance auf Fischschwärme, die sich hier schon mal versammeln und dabei eher in 15 bis 20 Meter Tiefe kreisen. Wie meistens an guten Plätzen verfliegt die Zeit und 60 Minuten sind unerwartet schnell vorbei, während sich der Zeiger des Finimeters langsam aber sicher dem roten Bereich nähert. Wer nun eine Boje mit sich führt, kann diese sinnvoll nutzen. Zum einen, um dem Zodiac zu signalisieren, dass das Ende des Tauchgangs bevorsteht, zum anderen, um ein Stück vom Riff entfernt den Sicherheitsstopp einzuhalten und dabei nichts anderes unter den Füßen zu haben als tiefblaues Wasser. Außerdem darf man nicht vergessen, dass nicht nur die eigenen Zodiacs präsent sind und andere auch schon mal Fahrt aufnehmen, um Taucher aufzunehmen. Wenn man sich also vom Riff entfernt, sollte man niemals außerhalb einer Boje auftauchen, um nicht unerwartet einem dieser Zodiacs im Weg zu stehen.
Für alle, die eine gute Lampe ihr Eigen nennen, empfiehlt es sich, morgens die westliche und nachmittags die östliche Seite des Riffs zu betauchen. Gewiss taucht man dann auf der Schattenseite des Riffs und speziell früh morgens schafft es die Sonne noch nicht über das Riffdach. Aber obige Bilder geben einen Eindruck davon, wie farbenprächtig das Riff ist, wenn man eigenes Licht mitbringt und einzusetzen weiß. Besonders ab 10 Meter Tiefe kann das Licht der Sonne diese Farben nicht mehr zeigen und würde dem Einsatz von Lampen eher hinderlich (weil überstrahlend) im Weg stehen. Was in Hurghada und Sharm el Sheikh die Regel ist, ist in Marsa Alam die Ausnahme. Gemeint sind Tauchgänge vom Boot aus. Zum einen liegt das daran, dass hierfür nur wenige Tauchplätze wie Dolphin House, Sharm Marsa Alam und je nach Basis auch Elphinstone und zwei weitere Riffe im Angebot stehen, zum anderen vielleicht auch daran, dass die Boote generell nur vom Hafen von Marsa Alam aus ablegen. Und nicht jedes Hotel liegt im Umfeld der Stadt, sondern eher 20 bis 40 Kilometer entfernt. Also muß auch hier, genauso wie beim Einsatz des Zodiacs, zuerst mal der Minibus bemüht werden. Berühmt sind dabei die Tauchplätze Dolphin House und Sharm Marsa Alam für häufige Sichtungen von Delfinen. Im Fall von Dolphin House stehen aber dieser möglichen Begegnung Regeln im Weg. So ist das Tauchen in der Bucht, in der die Delfine sich primär aufhalten, verboten. Auch Schnorchler dürfen sich dem Bereich nur nähern und müssen Schwimmwesten tragen, was ein Apnoetauchen ebenfalls unmöglich macht. So darf man nicht wirklich darauf hoffen, an diesem Platz in unmittelbare Nähe von Delfinen zu kommen. Sharm Marsa Alam hingegen kennt derartige Regeln bis jetzt noch nicht. Aber auch hier sind Sichtungen nicht sicher, da es sich hierbei um die Delfine vom Dolphin House handelt, die keineswegs täglich in Sharm Marsa Alam anzutreffen sind. Ansonsten ist der Tauchplatz aber recht schön und bietet im Norden größere Fischschwärme, die von jagenden Makrelen, Barakudas und Thunfischen umkreist werden. Im Süden hingegen gibt es den größeren Korallengarten, wo man häufiger Barsche findet, die sich gerne von Putzerfischen behandeln lassen. Aber auch hier kann man den ein oder anderen Fischschwarm sehen, wie zum Beispiel einen wirklich großen Schwarm Gelbstreifenschnapper, die einen Taucher auch schon mal mitten unter sich dulden. Der dritte mögliche Tauchplatz befindet sich an der Westseite des Riffs, die eine buchtartige Struktur hat. Hier steht ein wirklich großer Riffturm, der über zwei bequem betauchbare Canyons verfügt. Außerdem findet man die Überreste eines versunkenen Safaribootes, was aber nicht unbedingt das Highlight des Platzes bildet. Sehr schön ist es dafür an einem kleineren Felsenturm, der sich westlich hinter dem großen befindet. Ihn kann man bequem und manchmal auch unter freundlicher Hilfe leichter Strömung umrunden und dabei Unmengen roter Riffbarsche, emsig fressende Doktorfische und reichlich Juwelenbarsche beobachten. Häufig findet man hier auch Quallen, an denen die Fische immer wieder knabbern, was die Quallen mehr oder weniger unbeschadet überstehen.
Unerwartet für's Tauchen im Roten Meer sind streckenweise die Sichtweiten. Beim Tauchen vom Strand findet man im Bereich des Einstiegs oftmals Eintrübungen, die die Sicht auf weniger als 15 Meter reduzieren und dem Wasser einen leicht grünlichen Stich geben. Je nach Tauchplatz betreffen diese Zonen einen mehr oder weniger großräumigen Bereich und bei einigen, wie Sharm Shuni, gelingt es auch, diesen zu verlassen und in gute Sichtweiten zu kommen. Eine weitere Schwierigkeit besteht des Öfteren darin, die eigentliche Abtauchzone zu erreichen. Mehr als einmal muß man hier durch knietiefes Wasser über scharfkantige Riffdächer laufen, was die Frage nach wirklich guten Neoprenschuhen aufkommen läßt. Und letztlich gibt es je nach Uhrzeit und Gelegenheit auch noch den ein oder anderen Stau, wenn gleich mehrere Tauchbasen ihre Gäste ins Wasser bringen. Kurz gesagt, das Tauchen in Marsa Alam bietet einige Besonderheiten, wie ziemlich sichere Sichtungen von Schildkröten. Wo hingegen Dugongs, Delfine, Hammerhaie und Hochseehaie zwar da sein können, aber nicht müssen. (c) Herbert Böhm (Juni 2010)
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Tauchtour Marsa Alam Hotel: Oasis    Tauchcenter: Werner Lau & Sinai Divers
Fast wie im Gebirge fühlt man sich, wenn man vom Oasis zum Nachbarhotel Kahramana wandert. Der Weg beginnt direkt am Strand und führt über schmale Pfade über die gut 30 Meter hohe Steilküste. Außer einem wirklich guten Panoramablick findet man hier vorwiegend in sattem Rot leuchtende Hügel. Etwas tiefer lohnt es sich, die Felsen und den Boden etwas näher zu betrachten. Denn bis in etwa 20 Meter Höhe über dem Meer findet man Spuren von Muscheln, Schneckenhäusern und Korallen. Was darauf hin deutet, dass dieser Teil der Küste einmal unter Wasser gestanden hat.
Direkt an der Küste, mit dem Rücken zum Meer und gut 30 Meter über selbigem stehend, ist es leicht, sich vorzustellen, auf dem Wohnsitz des griechischen Kriegsgottes Ares (Mars) zu stehen. Allein die salzige Luft und das Rauschen der Brandung holt einen in die Wirklichkeit zurück. Na ja, vielleicht auch noch die Sonne, die recht deutlich auf sich aufmerksam macht. Schließlich sind wir hier im Süden. Ziemlich genau 280 Kilometer von Hurghada entfernt. Der Stadt, in der der Tauchsport im Roten Meer praktisch begründet wurde. Und hier, in Marsa Alam, erinnert man sich an Tauchpioniere, die von einsamen Küsten und einem kleinen Fischerdorf sprachen. Heute kann man Hurghada bereits als größere Stadt bezeichnen, mit einem nicht mehr überschaubaren Angebot an Hotels, Geschäften und natürlich Tauchbasen. Ganz anders hingegen ist Marsa Alam, wo sich schon die Suche nach einem Friseur als eher schwierig erweist. Nur zum Haare schneiden kommen allerdings die wenigstens hierher. Die meisten zieht es Richtung Wasser und dort noch ein oder zwei Stockwerke tiefer. Dabei findet das Tauchen hier weitgehend im Bereich der Küste statt. Denn weiter draußen liegende Riffe gibt es nur wenige. Dafür aber recht berühmte, wie das Elphinstone Riff. Ein Highlight, das von dem ein oder anderen Hotel aus, wie dem Oasis, auch schon mal mit dem Zodiac angefahren wird. Die Mehrzahl der Tauchplätze erreicht man jedoch mit dem Jeep oder Minibus. Einerseits ist es sehr schön schon nach 10 bis 15 Minuten vor Ort zu sein, andererseits ist es nicht unbedingt bequem, sich am Strand in sengender Hitze umzuziehen und über steinige Riffdächer zur eigentlichen Einstiegsstelle zu marschieren. Zudem wird der Hauch von Ursprünglichkeit und Abenteuer geschmälert von den, teils kommerziell genutzten Strandabschnitten, an denen die Tauchplätze schon mal liegen.
Es ist 05:10 Uhr morgens, als eine schöne, aber nicht gerade willkommene Melodie aus dem Handy klingt. Doch wer früh tauchen will, muß auch früh aufstehen. Hat man das erst einmal geschafft, wird man an guten Tagen von einem fantastischen Sonnenaufgang begrüßt. Und während das Briefing nützliche Informationen über den Tauchplatz preisgibt, fahren die ersten Jeeps los, um die Ausrüstung nach Marsa Abu Dabbab zu bringen. Gefolgt von den Tauchern, die es sich in klimatisierten Minibussen bequem machen dürfen. Etwas irritiert verläßt man diese nach nur 10 Minuten wieder und betritt den eingezäunten Strandabschnitt einer klassischen Badebucht. Hier soll ein guter Tauchplatz sein? Vom ersten Eindruck her schwer zu glauben. Erinnerungen ans Briefing drängen sich ins Bewusstsein. In der Mitte eine Seegraswiese und links und rechts davon Korallenriffe, die bis in 20 Meter Tiefe reichen. Weit reicht der Blick über die Bucht, aber sattes Blau, das auf tieferes Wasser hindeutet, ist nicht zu sehen.
Im Wasser heißt es dann tief ausatmen. Nur mit wenig Luft in der Lunge schafft man es bei nur 3 Meter Wassertiefe unten zu bleiben. Im Falle des nördlichen Riffs für gut 15 bis 20 Minuten, denn früher erreicht man tieferes Wasser eher nicht. Doch unser erstes Ziel sind die Seegraswiesen. Der ein oder andere Mittelmeertaucher wird minutenlang darauf warten, diese endlich zu erreichen und erst allmählich begreifen, dass er sich schon mittendrin befindet. Vereinzelte, mehr bräunliche als saftig grüne, Halme sprießen aus dem sandigen Boden. Zu wenig, um wirklich Eindruck machen zu können und im Vergleich mit manch gut bewachsenem heimischen See eigentlich nicht der Rede wert. Eigentlich, es sei denn wenn man, mit etwas Glück recht früh, mit Pech erst nach 40 Minuten, den Grund für die Spärlichkeit entdeckt.
Ein stattlicher Geigenrochen.
Schildkröten! Von einer Größe, dass manch Taucher sich dahinter verstecken kann. Absolut gelassen und unbeeindruckt von all den Tauchern weiden sie in fast stoischer Ruhe die Halme ab. Um dann unerwartet den Kopf zu heben, sich vom Boden zu lösen und zur Wasseroberfläche aufzusteigen, wo sie sich einen gelegentlichen Atemzug gönnen. Und immer wieder gibt es auch einige, die bereit sind, für eine schöne Aufnahme zu posieren.
Ganz anders die Geigenrochen, die ebenfalls hier zu finden sind. Sie huschen in reger Geschäftigkeit dicht über den Boden, auf der Suche nach schmackhaften Krebsen, die sich im Sand verstecken. Nicht zu verachten ist aber auch der Flachwasserbereich, wo in knapp 2 Meter Tiefe Kofferfische und junge Kugelfische zu finden sind und Taucher zuweilen auch recht nah an sich heranlassen. Ganz anders die beiden Imperator Kaiserfische, die nur Zentimeter vom Ufer entfernt jeden Fuß attackieren, der abseits des eingezäunten Einstiegsbereichs ins Wasser gesetzt wird. Natürlich nur zum Schein, aber doch auffallend und absolut sehenswert. Und schon kurz nach Ende des Tauchgangs erkennt man auch den Grund, warum es besser ist, hier in aller Frühe zu tauchen. Denn Busse bringen weitere Taucher, Schnorchler und Badegäste.
Elphinstone. Eins der berühmtesten Riffe des südlichen Roten Meeres. Bekannt für häufige Sichtungen von Hammerhaien und Weißspitzen Hochseehaien. Benannt ist das Riff nach seinem Entdecker (Elphin) und einem Granitstein, der, für Sporttaucher leider unerreichbar, in 55 Meter Tiefe liegt. Das Besondere an diesem Stein ist, dass er von Größe und Art identisch ist mit den Steinen, die in Grabkammern von Pyramiden verbaut wurden. Das Elphinstoneriff ist ca. 450 Meter lang und bietet beachtliche Steilwände, die erst in gut 50 Meter Tiefe ein Plateau finden, bevor es weiter bis auf 250 Meter Tiefe geht. Da das Elphinstoneriff nur 7 Kilometer von der Küste entfernt ist, ist es von einigen Dive Resorts schon mit dem Zodiac innerhalb von 20 Minuten erreichbar. Und glücklicherweise sind diese Zodiacs etwas größer und geräumiger, als die, die man auf Safaribooten zur Verfügung hat. Das Riff selbst ist übrigens gut vergleichbar mit Abu Kafan, südlich von Safaga. Auch hier gibt es im Norden und Süden des Riffs Plateaus, die sehr gut mit Weichkorallen bewachsen sind. Die Steilwand ist ebenfalls wirklich dicht bewachsen und übersät von roten Riffbarschen, zwischen denen man immer wieder Juwelenbarsche findet. Auch Nacktschnecken lassen sich vom geübten Auge entdecken.
Jedenfalls, wenn einem die Strömung Zeit dafür lässt. Während man an ruhigen Tagen gemütlich an der Wand entlang schweben kann, gibt es aber auch Zeiten, wo die Strömung einen mit beachtlicher Geschwindigkeit an der Wand vorbei treibt. Und wenn man da keinen Strömungsschatten findet, sollte man nicht damit rechnen, allein mit Flossenkraft eine Position halten zu können. Insgesamt ist die Strömung nicht zu unterschätzen und kann im Norden auch mal vom Riff wegführen. Daher sollte man immer eine Boje mitführen, die man in solchen Fällen rechtzeitig zur Oberfläche aufsteigen lässt, um Zodiacs oder Bootsbesatzungen auf sich aufmerksam machen zu können, bevor man hunderte Meter vom Riff entfernt ist. Immerhin ist eine Boje wesentlich leichter und auch über größere Distanzen zu sehen, als der Kopf eines Tauchers. Auch sollte man nicht unbedingt dazu neigen, ein mulmiges Gefühl zu bekommen, wenn man in unendliche blaue Tiefen blickt. Denn diesen Ausblick hat man hier reichlich. Speziell, wenn man sich ein wenig vom Riff entfernt, um Ausschau zu halten nach dem ein oder anderen Hai. Vielleicht sollte man dabei aber eher öfter auf den Tauchcomputer blicken, denn man verliert allzu leicht das Gefühl für die Tiefe und gerät zuweilen unerwartet schnell in kritische Bereiche der Nullzeit. Zwar wartet das Riff auch im oberen Bereich zwischen 5 und 12 Metern mit reichlich Farben und Fisch, aber wer zu früh aus der Tiefe heraus muß, weil er vielleicht zu früh auf Tiefe gegangen ist, dem könnte noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit entgehen. So gibt es zum Beispiel eine Grotte im südlichen Bereich der östlichen Steilwand. Doch nicht die Grotte ist das sehenswerte, sondern die Chance auf Fischschwärme, die sich hier schon mal versammeln und dabei eher in 15 bis 20 Meter Tiefe kreisen. Wie meistens an guten Plätzen verfliegt die Zeit und 60 Minuten sind unerwartet schnell vorbei, während sich der Zeiger des Finimeters langsam aber sicher dem roten Bereich nähert. Wer nun eine Boje mit sich führt, kann diese sinnvoll nutzen. Zum einen, um dem Zodiac zu signalisieren, dass das Ende des Tauchgangs bevorsteht, zum anderen, um ein Stück vom Riff entfernt den Sicherheitsstopp einzuhalten und dabei nichts anderes unter den Füßen zu haben als tiefblaues Wasser. Außerdem darf man nicht vergessen, dass nicht nur die eigenen Zodiacs präsent sind und andere auch schon mal Fahrt aufnehmen, um Taucher aufzunehmen. Wenn man sich also vom Riff entfernt, sollte man niemals außerhalb einer Boje auftauchen, um nicht unerwartet einem dieser Zodiacs im Weg zu stehen.
Für alle, die eine gute Lampe ihr Eigen nennen, empfiehlt es sich, morgens die westliche und nachmittags die östliche Seite des Riffs zu betauchen. Gewiss taucht man dann auf der Schattenseite des Riffs und speziell früh morgens schafft es die Sonne noch nicht über das Riffdach. Aber obige Bilder geben einen Eindruck davon, wie farbenprächtig das Riff ist, wenn man eigenes Licht mitbringt und einzusetzen weiß. Besonders ab 10 Meter Tiefe kann das Licht der Sonne diese Farben nicht mehr zeigen und würde dem Einsatz von Lampen eher hinderlich (weil überstrahlend) im Weg stehen. Was in Hurghada und Sharm el Sheikh die Regel ist, ist in Marsa Alam die Ausnahme. Gemeint sind Tauchgänge vom Boot aus. Zum einen liegt das daran, dass hierfür nur wenige Tauchplätze wie Dolphin House, Sharm Marsa Alam und je nach Basis auch Elphinstone und zwei weitere Riffe im Angebot stehen, zum anderen vielleicht auch daran, dass die Boote generell nur vom Hafen von Marsa Alam aus ablegen. Und nicht jedes Hotel liegt im Umfeld der Stadt, sondern eher 20 bis 40 Kilometer entfernt. Also muß auch hier, genauso wie beim Einsatz des Zodiacs, zuerst mal der Minibus bemüht werden. Berühmt sind dabei die Tauchplätze Dolphin House und Sharm Marsa Alam für häufige Sichtungen von Delfinen. Im Fall von Dolphin House stehen aber dieser möglichen Begegnung Regeln im Weg. So ist das Tauchen in der Bucht, in der die Delfine sich primär aufhalten, verboten. Auch Schnorchler dürfen sich dem Bereich nur nähern und müssen Schwimmwesten tragen, was ein Apnoetauchen ebenfalls unmöglich macht. So darf man nicht wirklich darauf hoffen, an diesem Platz in unmittelbare Nähe von Delfinen zu kommen. Sharm Marsa Alam hingegen kennt derartige Regeln bis jetzt noch nicht. Aber auch hier sind Sichtungen nicht sicher, da es sich hierbei um die Delfine vom Dolphin House handelt, die keineswegs täglich in Sharm Marsa Alam anzutreffen sind. Ansonsten ist der Tauchplatz aber recht schön und bietet im Norden größere Fischschwärme, die von jagenden Makrelen, Barakudas und Thunfischen umkreist werden. Im Süden hingegen gibt es den größeren Korallengarten, wo man häufiger Barsche findet, die sich gerne von Putzerfischen behandeln lassen. Aber auch hier kann man den ein oder anderen Fischschwarm sehen, wie zum Beispiel einen wirklich großen Schwarm Gelbstreifenschnapper, die einen Taucher auch schon mal mitten unter sich dulden. Der dritte mögliche Tauchplatz befindet sich an der Westseite des Riffs, die eine buchtartige Struktur hat. Hier steht ein wirklich großer Riffturm, der über zwei bequem betauchbare Canyons verfügt. Außerdem findet man die Überreste eines versunkenen Safaribootes, was aber nicht unbedingt das Highlight des Platzes bildet. Sehr schön ist es dafür an einem kleineren Felsenturm, der sich westlich hinter dem großen befindet. Ihn kann man bequem und manchmal auch unter freundlicher Hilfe leichter Strömung umrunden und dabei Unmengen roter Riffbarsche, emsig fressende Doktorfische und reichlich Juwelenbarsche beobachten. Häufig findet man hier auch Quallen, an denen die Fische immer wieder knabbern, was die Quallen mehr oder weniger unbeschadet überstehen.
Unerwartet für's Tauchen im Roten Meer sind streckenweise die Sichtweiten. Beim Tauchen vom Strand findet man im Bereich des Einstiegs oftmals Eintrübungen, die die Sicht auf weniger als 15 Meter reduzieren und dem Wasser einen leicht grünlichen Stich geben. Je nach Tauchplatz betreffen diese Zonen einen mehr oder weniger großräumigen Bereich und bei einigen, wie Sharm Shuni, gelingt es auch, diesen zu verlassen und in gute Sichtweiten zu kommen. Eine weitere Schwierigkeit besteht des Öfteren darin, die eigentliche Abtauchzone zu erreichen. Mehr als einmal muß man hier durch knietiefes Wasser über scharfkantige Riffdächer laufen, was die Frage nach wirklich guten Neoprenschuhen aufkommen läßt. Und letztlich gibt es je nach Uhrzeit und Gelegenheit auch noch den ein oder anderen Stau, wenn gleich mehrere Tauchbasen ihre Gäste ins Wasser bringen. Kurz gesagt, das Tauchen in Marsa Alam bietet einige Besonderheiten, wie ziemlich sichere Sichtungen von Schildkröten. Wo hingegen Dugongs, Delfine, Hammerhaie und Hochseehaie zwar da sein können, aber nicht müssen. (c) Herbert Böhm (Juni 2010)
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