Scubabavaria
Tauchsafari Nordtour 2009 Schiff: Ghazala Voyager, Tauchcenter: Sinai-Divers
Man stelle sich vor, man sitzt im Büro und der Chef schlägt eine Reise vor, bei der man vorwiegend das tun soll, was man eh jeden Tag macht. Gewissermaßen einen Arbeitsurlaub also. Niemand, der sein 25jähriges Dienstjubiläum hinter sich hat, würde sich da wohl in Freudentänzen ergehen. Nun ja, wir sind nicht im Büro und Tauchen ist weit entfernt von staubigen Akten und lästig summenden Computern. Kein Wunder also, dass das Angebot, eine Tauchsafari für Tauchlehrer zu veranstalten, eine gewisse Resonanz gefunden hat. Und nur wer sich rechtzeitig angemeldet hatte, durfte als einer von 16 auf der Ghazala Voyager einchecken. Das Schiff empfing uns bei bestem Wetter im Hafen von Sharm el Sheikh. Und das Einzige, was wir zu schleppen hatten, waren wir selbst. Denn nach Taschen und Koffern hatten schon am Flughafen hilfreiche Hände der Sinai Divers gegriffen.
Nach einem wohltuend unbürokratischen Einchecken und Beschnuppern der Unterkünfte, gab es erstmal was zu essen. Und dem Essen folgte eine gemütliche Unterhaltung, bei der man sich gegenseitig vorstellte und am Ende auch schon mal die ersten Pläne für den Verlauf der Tauchtour schmiedete. Tja, auch als Tauchlehrer schläft man nicht jeden Tag auf einem Schiff. Und obwohl es im Hafen lag, sorgte das fremde Bett, das einen sanft im Spiel der Wellen wiegte und nicht zuletzt das ständige Kommen und Gehen von Schiffen, für einen recht wachen Schlafzustand. Umso leichter fiel das morgendliche Aufstehen, getrieben von Neugier und Erwartung, denn ein fester Plan für die Route der Tauchtour existierte nicht. Dies ließ natürlich Spielraum für den ein oder anderen Wunsch. Zwar gehörte der obligatorische Checkdive nicht dazu, ist aber auch für Tauchlehrer ein sinnvolles Unterfangen. Ras Kati hieß daher der Tauchplatz, den die Voyager anlief. Nicht weit vom Hafen entfernt, war der erste Tauchgang der Tour sozusagen ein letzter Test, bevor man für die nächsten 6 Tage den heimatlichen Hafen verließ. Leider war es nicht für alle ein erfolgreicher Test. Und die Ruptur eines Trommelfells bedeutete für einen der Teilnehmer das taucherische Aus. Umso bewundernswerter war die Haltung, mit der er dies ertrug und mit dennoch guter Laune zur guten Atmosphäre an Bord beitrug. Nachdem die Sonne im November auch in Ägypten recht früh und überdies sehr schnell untergeht, stand sie schon recht tief am Himmel, als das Schiff den Nationalpark Ras Mohammed erreichte. Und nach einem ausführlichen Briefing startete der
Datum 20.11.2009 20.11.2009 20.11.2009 21.11.2009 21.11.2009 21.11.2009 22.11.2009 22.11.2009 22.11.2009 23.11.2009 23.11.2009 23.11.2009 23.11.2009 24.11.2009 24.11.2009 24.11.2009 25.11.2009 25.11.2009 25.11.2009
Tauchplatz Ras Kati Yolanda Riff, Shark Riff, Anemone City Last Alternative (Nachttauchen) Dunraven (Wrack) Carnatic (Wrack) Ghiannes D. (Wrack) Rosalie Moller (Wrack) Thistlegorm (Wrack) Thistlegorm (Wrack) Eel Garden, Canyon, Shark Observatory Ras Za'adar Ras Ghozlani Temple (Nachttauchen) Jackson Riff Woodhouse Riff South Lagoon Outside Thomas Riff Gordon Riff Ras Umm Sid
Tiefe 23,0 15,5 11,0 28,0 24,0 21,5 36,3 28,0 24,6 37,5 29,5 21,5 16,9 35,7 26,9 16,9 39,8 21,8 26,5
TG 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
Zeit 39 59 30 52 55 62 40 50 53 61 60 63 45 59 63 53 62 54 57
dortige Tauchgang am Yolanda Riff, an dessen westlicher Seite uns die Zodiacs absetzten. Über die Überreste der dort gesunkenen Yolanda, deren Hauptrumpf nun allerdings auf 160 Meter Tiefe liegt, ging es zur küstennahen Seite des Shark Riff und von dort weiter zu Anemone City. Getragen von einer sanften Strömung, die dabei half, während nur eines Tauchgangs insgesamt drei Tauchplätze zu besuchen. Besonders schön war dabei die überaus dichte Population an mit Clownsfischen besetzten Anemonen, die dem Platz Anemone City zu seinem Namen verhalfen. Kaum zurück auf der Voyager gab es noch auf dem Tauchdeck leckeren Orangensaft, während im Salon bereits ein ebenso leckerer Snack bereit stand. Und während man diesen
genießen konnte, war das Schiff schon wieder auf dem Weg zum nächsten Platz, den wir kurz vor Sonnenuntergang erreichten. Am letzten der Türme des Alternative Riffs, sinnigerweise als Last Alternative bezeichnet, machte die Crew das Schiff an fest installierten Ankerseilen fest. Eine knappe Stunde später und damit weniger als zwei Stunden vom Abendessen entfernt, ging es zum Nachttauchen. Und auch hier war wieder Strömung zu verzeichnen. Beim Nachttauchen eher störend als hilfreich, sucht man da schon mal gerne den ein oder anderen Strömungsschatten, um Rotfeuerfische oder schlafende Papageifische in Ruhe beobachten zu können.
Sie mag Papageifische
Er mag keine Muränen
Kaum zurück und frisch getrocknet, lockte das Abendessen und anschließend die Planung des nächsten Tages. Um die geplanten drei Tauchgänge pro Tag überhaupt durchführen zu können, hieß es, früh anzufangen. Und früh bedeutete um 6:15 Uhr im Wasser zu sein. Also ernst gemeintes Wecken um 05:30, durchgeführt durch vernehmliches Klopfen an der Kabinentür. Wobei das Schiff schon vorher vom Liegeplatz los gemacht hatte und auf Fahrt Richtung Dunraven gegangen war. Und der sich hier schon abzeichnende Rhythmus sollte die ganze Tour über Bestand haben. Was übrigens die Frage nach der Uhrzeit recht schnell überflüssig machte. Denn den Tagesablauf konnte man mit Hell, Dunkel und Glocke gemütlich in die drei primären Zeiten aufteilen. Wobei das Aufstehen meist kurz vor Hell stattfand, das Schlafen jedoch deutlich nach Dunkel, wahrscheinlich so gegen 22:00 Uhr, genau weiß ich es nicht. Und überhaupt, wen interessiert's? Was die Glocke betrifft? Nun ja, da gab es zwei Alternativen. Läutete sie, bedeutete es Briefing (Tauchen) oder Essen. Nichts anderes. Und es gab Tage, da läutete sie achtmal. Und es gab Momente, da stand man noch im Tauchanzug an Deck, da läutete sie schon zum Mittagessen oder zum nachmittaglichen Snack. Nach meiner Definition der Bordzeit, also der kurz vor Dunkel Imbiß.....
Es ist fast zum Schreien Schade, dass die Dunraven kieloben liegt. Die Mischung aus Dampf- und Segelschiff ist 1876 gesunken und noch wirklich gut erhalten. Dabei ist sie sogar, mit Ausnahme des abgebrochenen Bugteils, über die gesamte Länge innen recht bequem zu betauchen. Und würde es nicht kieloben liegen, wäre es eine noch um einiges bessere Kulisse für Fotografen und Filmer. Dennoch ist das Betauchen des Wrack ein Erlebnis, besonders an der Bruchstelle und im Heckbereich mit der Schraube und dem wirklich gewaltigen Ruder. Doch die Dunraven war nur der Beginn. Gleich nach dem Tauchgang ging die Ghazala Voyager auf Westkurs. Kreuzte den Kanal, der die Sinaihalbinsel von Afrika trennt, mit den vorgelagerten Riffen von Abu Nuhas.
Noch vor dem Mittagessen tauchten wir zur Carnatic. Diese ist, so wie die Dunraven, ein mehr als 100 Jahre altes Dampf- und Segelschiff. Dabei liegt die Carnatic jedoch auf der Backbordseite und weist insgesamt weniger Beschädigungen auf. Allerdings sucht man auch hier Aufbauten vergebens, was aber konstruktionsbedingt schiffstypisch ist. Überdies ist der Platz noch bekannt für häufige Delfinsichtungen. Und tatsächlich war das ein oder andere Geräusch zu hören, so dass man glauben konnte, dass sie zumindest in der Nähe waren.
am Heck der Ghiannis D.
Den Abschluß des Tags bildete die Ghiannes D. Das Schiff ist wie die Carnatic aufs Riff gelaufen und gesunken, steht jedoch mehr oder weniger aufrecht. Das Heck ist sehr gut erhalten, das Mittelteil jedoch kaum mehr als ein Haufen Schrott. Der Bug hingegen ist wieder in gutem Zustand. Am interessantesten bleibt aber das Heck, in welches man auch hinein tauchen kann. Selbst ein Abstieg in den Maschinenraum ist möglich, den man anschließend über die Bruchstelle wieder verlassen kann. Es ist zwar keine Herausforderung die Brücke zu betauchen, aber es kann einem im wahrsten Sinne des Wortes die Optik knicken. Der Umstand, dass sich das Wrack in einer Schräglage von gut 45 Grad befindet, bringt beim Tauchen in der weiträumigen Brücke den Gleichgewichtssinn ins Schwitzen. Denn die Fensterfront simuliert eine optische Horizontlinie, die dem allgemeinen horizontalen Tauchgefühl deutlich widerspricht. Und nicht wenige sind versucht, beim Verlassen der Aufbauten ein Gefühl der Irritation regelrecht abzuschütteln. Normalerweise erwartet man im Roten Meer Sichtweiten von mehr als 30 Meter. Eine Sichtweite, die auch beim Abstieg zur Rosalie Möller zu sehen war. Allerdings nur die ersten 20 Meter, denn als die Umrisse des Wracks aus tiefblauem Nichts auftauchten, reduzierte sich die Sichtweite auf etwa 15 Meter. Und dennoch, oder gerade deswegen, war es ein beeindruckender Tauchgang. Und ein überaus lebendiger. Egal, wo man hinblickte, zeigten sich Schwärme von Fischen. So viele, dass selbst die nachtaktiven Rotfeuerfische sich Logenplätze suchten und dem Treiben um sie herum zusahen, als wäre es ein besonders sehenswerter Kinofilm. Das Wrack selbst ist bestens erhalten und steht aufrecht in 45 Meter Tiefe. Allerdings ist es nicht empfehlenswert tiefer als das Hauptdeck zu tauchen, was eine Durchschnittstiefe von 33 Meter bedeutet. Auch eine komplette Erkundung des Wracks ist wenig sinnvoll. Stattdessen sollte man sich für den vorderen, oder hinteren Teil entscheiden und diesem dann die vollen 20 Minuten Grundzeit, die man hier hat, gönnen.
Eingang zur Brücke der Ghiannis D.
Am Heck der Carnatic
Reling der Rosalie Möller
Fischschwärme im Bereich der Aufbauten
Die Thistlegorm hingegen ist ein Wrack, das erstmalig von Jaques Cousteau betaucht und dokumentiert wurde. Für das Sporttauchen wiederentdeckt wurde es durch eine Expedition des ZDF, Mitte der 90er Jahre. Seitdem ist die Thistlegorm wohl das beliebteste Wrack im Roten Meer und wird entsprechend betaucht. Was bedeutete, dass schon um 10:00 Uhr nicht weniger als 7 Schiffe am Tauchplatz waren. Allerdings ist die Thistlegorm groß genug, so das sich auch größere Gruppen bequem über das Wrack verteilen können. Dabei muß man jedoch immer mit Strömung rechnen, die an diesem Tag von steuerbord nach backbord über das Wrack zog. Allerdings ist es einfach bei den imposanten Aufbauten der Thistlegorm ausreichend Strömungsschatten zu finden, um ohne große Anstrengung vom Bug bis zum Heck zu kommen. So kann man den ersten Tauchgang für eine äußere Erkundung des Wracks nutzen, wobei man sich zwischen 17 und 28 Meter Tiefe bewegt. Den zweiten Tauchgang, den man hier unbedingt machen sollte, führt einen dann ins Innere des Wracks. Und lohnenswert sind hier die beiden großen Laderäume im Vorschiff. Zwar ist es vielleicht nicht jedermanns Vergnügen, sich taucherisch in engen Räumen zu bewegen, jedoch ist es hier wirklich empfehlenswert, da man von jeder Position aus mit wenigen Flossenschlägen den zentralen Ladeschacht erreicht, über den man das Innere verlassen kann. Gewiss gibt es noch eine Unzahl weitere Räume, die betauchbar sind, aber um wirklich alles zu sehen, dürften auch 10 Tauchgänge noch zu wenig sein. Doch man kann ja schließlich wiederkommen und muß nicht versuchen, alles auf einmal zu sehen. So hätte diesmal, nicht allein wegen der ungünstigen Strömungsverhältnisse, ein Besuch des Umfelds des Wracks mit den beiden Lokomotiven zuviel Zeit gekostet. Aber wie gesagt, man kann ja wiederkommen. Besondere Tauchgänge erfordern manchmal besonderen Einsatz. Besonders, wenn man mal wieder zwei Tauchplätze auf einmal auf dem Programm hat. Wie zum Beispiel in Eel Garden. Der dortige Canyon liegt abseits der normalen Tauchroute und überdies in gut 35 Metern Tiefe. Überaus eng, verwinkelt und mit Löchern im Boden, die die wahre Tiefe des Canyons nur ahnen lassen. Dem Besuch des Canyons folgte ein Freiwasseraufstieg auf 10 Meter Tiefe und etwa 15 Minuten Gepaddel durch nichts als Wasser. Gut, der Grund war schemenhaft zu erkennen, ein paar Fische waren um uns herum und über uns die Sonne, aber sonst nur Wasser und Flossen. Bis schließlich eine senkrechte Wand auftauchte, die zum Tauchplatz Shark Observatory gehörte. Den Namen trägt der Tauchplatz, weil vom gut 20 Meter über dem Wasser liegenden Plateau aus Haie beobachtet werden können. Jedenfalls wenn sie denn da sind. Diesmal waren sie es nicht, obwohl dieser Wandertag von Tauchgang gute Chancen, speziell während des Freiwasserteils, für Haisichtungen geboten hatte. Leider waren die Haie weniger interessiert. Die nachfolgenden Tauchgänge an Ras Za'atar und Ras Ghozlani waren mit leichter Strömung versehen und gingen nach dem Motto; "Immer an der Wand lang...." Anschließend erreichte die Voyager eine malerische Bucht, in der man einen wirklich traumhaften Sonnenuntergang genießen konnte. Aber damit war dieser Tauchtag noch nicht zu Ende. Denn das Schiff hatte direkt an einem der besten Nachttauchplätze festgemacht. Und der hatte tatsächlich einiges zu bieten. Von jagenden Rotfeuerfischen, über die Schlafstätten von Papageifischen bis hin zu Haarsternen, Garnelen und einer wirklich stattlichen Muräne.
Nachttauchen: Muräne
Nachttauchen: Arabischer Kaiserfisch
Lauernd, regelrecht hypnotisch
und plötzlich unglaublich schnell
Nach diesem recht ausgiebigen Tauchtag mit insgesamt 4 Tauchgängen machte sich die Ghazala Voyager noch vor dem Wecken auf den Weg zur Straße von Tiran. Die dortigen Tauchplätze sind berühmt für gute Sichtweiten, tollen Bewuchs und guter Chance auf Großfische. Allerdings auch für Wellen und Strömungen. Doch nicht so an diesem Tag. Bestes Wetter, strahlende Sonne, kaum Wind und ein wirklich spiegelglattes Meer empfing uns. Und entsprechend ruhig glitten die Zodiacs über die Wellen Richtung Jackson Riff. So ruhig, dass sogar Filmen während der Fahrt möglich war. Doch unter Wasser zeigte das Meer ein anderes Gesicht und erwartete uns mit einer moderaten Strömung, die kurz vor dem nördlichen Ende des Riffs noch einmal richtig anzog. Leider war der wirklich große Napolenfisch etwas zu tief. Zwar war er immer noch gut zu sehen, aber zu weit weg für die Kameras. Richtig Spaß machte es dann noch einmal, als die Strömung uns mit zunehmendem Tempo auf's Nordplateau trieb und sich dort auflöste. Mitten zwischen den schönsten Korallen. Für den zweiten Tauchgang war mal wieder etwas besonderes geplant. Ein, Ras Goma genanntes Riff, das zwischen Woodhouse und Jackson Riff liegt. Von der Nordspitze des Woodhouse stößt man in 25 Meter Tiefe auf ein Riff, das schräg aufs Jackson Riff zuläuft. Um aber zum Jackson Riff zu gelangen, muß man in 30 bis 35 Meter Tiefe queren. Wobei aber im gesamten Bereich von Ras Goma mit starker Strömung zu rechnen ist. Nun, diesmal war die Strömung gnädig, was dem Tauchgang zu Gute kam. Aufgrund der außergewöhnlichen Lage und Strömungsverhältnisse ist dieser Tauch-gang, der beim Woodhouse Riff beginnt und über dieses tiefe Riff zum Jackson Riff führt, eine Angelegenheit, die nur von erfahrenen Tauchern angegangen werden sollte. Allerdings ist ein gemütlicher Tauchgang am Woodhouse Riff auch nicht zu verachten. In jedem Fall bequemer, ebenso sehenswert und eine wirklich gute Alternative zum Ras Goma Action Dive. Der letzte Tauchgang des Tages führte zur South Lagoon Outside. Nachdem die Voyager bereits auf der Innenseite den Liegeplatz für die Nacht belegt hatte, bedeutete dies eine etwas längere Zodiacfahrt zum Tauchgebiet. Aber bei dem immer noch spiegelglatten Meer mehr ein Vergnügen als lästige Notwendigkeit. Auch die South Lagoon präsentierte uns eine nette Strömung die Flosseneinsatz größtenteils überflüssig machte und den Tauchgang damit zu einem gemütlichen Abschluß des Tages machte.
Spiegelglattes Meer am Jackson Riff
Schneller als man glaubt
Recht zutraulicher Kugelfisch
Bequem in der South Lagoon
Berühmt und berüchtigt ist die Straße von Tiran wegen der 4 Riffe, Jackson, Woodhouse, Thomas und Gordon. Diese sind die Spitzen von unterseeischen Bergen, die aus bis zu 250 Meter Tiefe aufragen und die Engstelle am Eingang zum Golf von Aqaba zu einer gefährlichen Passage für Schiffe machen. Für Taucher hingegen sind sie ein Paradies mit abwechslungsreichen Tauchgängen, da jedes der Riffe einen eigenen Charakter hat. So ist das Thomas Riff zwar das kleinste, für nicht wenige Taucher aber vielleicht das aufregendste. Das Riff besteht praktisch nur aus Steilwänden und an seiner Ostseite lockt der Thomas Canyon. Diese Spalte im Riff beginnt in etwas über 30 Meter Tiefe, ist anfangs sehr eng und wird mit zunehmender Tiefe breiter. In unregelmäßigen Abständen bilden Felsbrocken natürliche Brücken, unter denen man hindurch tauchen kann. Aber schon beim Ersten erreicht man 40 Meter und der Zweite zwingt einen schon auf über 50 Meter. Wie gesagt, mag der Canyon zwar für viele Taucher ein aufregendes Erlebnis und lockendes Ziel sein, aber weiter oben und speziell in den Spalten und Grotten der Steilwand gibt es wesentlich mehr zu sehen. Ganz anders hingegen das Gordon Riff. Hier findet man ausgedehnte Sandflächen und einen wirklich fantastischen Bewuchs. Echte Steilwände gibt es kaum, hier sind es mehr Steilhänge, über denen ganze Schwärme junger Wimpelfische und ebenso junger und entsprechend kleiner Drückerfische in der Strömung nach Nahrung schnappen. Interessant ist die Untersuchung der Ölfässer, die hier zu finden sind. Das Öl hat eine feste, gummiartige Konsistenz angenommen und kann auch angefasst werden. Nur sollte man aufpassen, dass nichts an die Ausrüstung gelangt und darauf achten, die Hände noch unter Wasser vollständig zu reinigen. Denn über Wasser ist das Zeug kaum noch abzukriegen. Hat man die Ölfässer hinter sich, taucht man gemütlich in flacheres Wasser über schneeweißen Sand, in dem sich das Licht der Sonne in den Farben des Regenbogens spiegelt. Und das einzige, worauf man aufpassen muß, ist, dass man den Feuerkorallen nicht zu Nahe kommt, die es hier in großer Zahl gibt. Spät ist es, als die Voyager die Straße von Tiran in Richtung Sharm el Sheikh verläßt. Es ist der letzte Tag der Tour und die Sonne steht schon weit hinter dem Zenit. Ein wenig Wehmut macht sich breit, bei dem Gedanken, am nächsten Morgen das Schiff zu verlassen. Doch noch ist die Tour nicht zu Ende und ein letztes Mal legen die Zodiacs ab. Ras Umm Sid, ein Platz direkt an der Küste. Ein Platz, wo ein Steg zur Riffkante führt und Schnorchler und Schwimmer ins Wasser gehen. Und ein Platz, der unter Wasser vielseitiger ist, als es scheint. Zu Beginn findet man eine Steilwand, an dessen Ende wohl die größte Ansammlung von Fächerkorallen steht, die sich in diesem Teil des Roten Meeres finden läßt. Anschließend beginnt ein Plateau, gespickt mit schlanken und teilweise bizarr geformten Felstürmen. Und wenn man dann noch einen seltenen Bogenstirn Torpedorochen findet, hat man einfach nur noch gute Laune. Und die steigerte sich noch an Bord der Zodiacs. Denn die recht lange Rückfahrt zur Voyager bot nicht nur abermals spiegelglatte See, sondern auch den Blick auf eine traumhaften Sonnenuntergang. Schöner geht's nicht. Und wie heißt es mit recht; 'wenn's am schönsten ist, soll man aufhören.....' (c) Herbert Böhm (Nov. 2009)
Juwelenbarsch
Bogenstirntorpedorochen
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Tauchsafari Nordtour 2009 Schiff: Ghazala Voyager, Tauchcenter: Sinai-Divers
Man stelle sich vor, man sitzt im Büro und der Chef schlägt eine Reise vor, bei der man vorwiegend das tun soll, was man eh jeden Tag macht. Gewissermaßen einen Arbeitsurlaub also. Niemand, der sein 25jähriges Dienstjubiläum hinter sich hat, würde sich da wohl in Freudentänzen ergehen. Nun ja, wir sind nicht im Büro und Tauchen ist weit entfernt von staubigen Akten und lästig summenden Computern. Kein Wunder also, dass das Angebot, eine Tauchsafari für Tauchlehrer zu veranstalten, eine gewisse Resonanz gefunden hat. Und nur wer sich rechtzeitig angemeldet hatte, durfte als einer von 16 auf der Ghazala Voyager einchecken. Das Schiff empfing uns bei bestem Wetter im Hafen von Sharm el Sheikh. Und das Einzige, was wir zu schleppen hatten, waren wir selbst. Denn nach Taschen und Koffern hatten schon am Flughafen hilfreiche Hände der Sinai Divers gegriffen.
Nach einem wohltuend unbürokratischen Einchecken und Beschnuppern der Unterkünfte, gab es erstmal was zu essen. Und dem Essen folgte eine gemütliche Unterhaltung, bei der man sich gegenseitig vorstellte und am Ende auch schon mal die ersten Pläne für den Verlauf der Tauchtour schmiedete. Tja, auch als Tauchlehrer schläft man nicht jeden Tag auf einem Schiff. Und obwohl es im Hafen lag, sorgte das fremde Bett, das einen sanft im Spiel der Wellen wiegte und nicht zuletzt das ständige Kommen und Gehen von Schiffen, für einen recht wachen Schlafzustand. Umso leichter fiel das morgendliche Aufstehen, getrieben von Neugier und Erwartung, denn ein fester Plan für die Route der Tauchtour existierte nicht. Dies ließ natürlich Spielraum für den ein oder anderen Wunsch. Zwar gehörte der obligatorische Checkdive nicht dazu, ist aber auch für Tauchlehrer ein sinnvolles Unterfangen. Ras Kati hieß daher der Tauchplatz, den die Voyager anlief. Nicht weit vom Hafen entfernt, war der erste Tauchgang der Tour sozusagen ein letzter Test, bevor man für die nächsten 6 Tage den heimatlichen Hafen verließ. Leider war es nicht für alle ein erfolgreicher Test. Und die Ruptur eines Trommelfells bedeutete für einen der Teilnehmer das taucherische Aus. Umso bewundernswerter war die Haltung, mit der er dies ertrug und mit dennoch guter Laune zur guten Atmosphäre an Bord beitrug. Nachdem die Sonne im November auch in Ägypten recht früh und überdies sehr schnell untergeht, stand sie schon recht tief am Himmel, als das Schiff den Nationalpark Ras Mohammed erreichte. Und nach einem ausführlichen Briefing startete der dortige Tauchgang am Yolanda Riff, an dessen westlicher Seite uns die Zodiacs absetzten. Über die Überreste der dort gesunkenen Yolanda, deren Hauptrumpf nun allerdings auf 160 Meter Tiefe liegt, ging es zur küstennahen Seite des Shark Riff und von dort weiter zu Anemone City.
Datum 20.11.2009 20.11.2009 20.11.2009 21.11.2009 21.11.2009 21.11.2009 22.11.2009 22.11.2009 22.11.2009 23.11.2009 23.11.2009 23.11.2009 23.11.2009 24.11.2009 24.11.2009 24.11.2009 25.11.2009 25.11.2009 25.11.2009
Tauchplatz Ras Kati Yolanda Riff, Shark Riff, Anemone City Last Alternative (Nachttauchen) Dunraven (Wrack) Carnatic (Wrack) Ghiannes D. (Wrack) Rosalie Moller (Wrack) Thistlegorm (Wrack) Thistlegorm (Wrack) Eel Garden, Canyon, Shark Observatory Ras Za'adar Ras Ghozlani Temple (Nachttauchen) Jackson Riff Woodhouse Riff South Lagoon Outside Thomas Riff Gordon Riff Ras Umm Sid
Tiefe 23,0 15,5 11,0 28,0 24,0 21,5 36,3 28,0 24,6 37,5 29,5 21,5 16,9 35,7 26,9 16,9 39,8 21,8 26,5
TG 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
Zeit 39 59 30 52 55 62 40 50 53 61 60 63 45 59 63 53 62 54 57
Getragen von einer sanften Strömung, die dabei half, während nur eines Tauchgangs insgesamt drei Tauchplätze zu besuchen. Besonders schön war dabei die überaus dichte Population an mit Clownsfischen besetzten Anemonen, die dem Platz Anemone City zu seinem Namen verhalfen. Kaum zurück auf der Voyager gab es noch auf dem Tauchdeck leckeren Orangensaft, während im Salon bereits ein ebenso leckerer Snack bereit stand. Und während man diesen genießen konnte, war das Schiff schon wieder auf dem Weg zum nächsten Platz, den wir kurz vor Sonnenuntergang erreichten. Am letzten der Türme des Alternative Riffs, sinnigerweise als Last Alternative bezeichnet, machte die Crew das Schiff an fest installierten Ankerseilen fest. Eine knappe Stunde später und damit weniger als zwei Stunden vom Abendessen entfernt, ging es zum Nachttauchen. Und auch hier war wieder Strömung zu verzeichnen. Beim Nachttauchen eher störend als hilfreich, sucht man da schon mal gerne den ein oder anderen Strömungsschatten, um Rotfeuerfische oder schlafende Papageifische in Ruhe beobachten zu können.
Sie mag Papageifische
Er mag keine Muränen
Kaum zurück und frisch getrocknet, lockte das Abendessen und anschließend die Planung des nächsten Tages. Um die geplanten drei Tauchgänge pro Tag überhaupt durchführen zu können, hieß es, früh anzufangen. Und früh bedeutete um 6:15 Uhr im Wasser zu sein. Also ernst gemeintes Wecken um 05:30, durchgeführt durch vernehmliches Klopfen an der Kabinentür. Wobei das Schiff schon vorher vom Liegeplatz los gemacht hatte und auf Fahrt Richtung Dunraven gegangen war. Und der sich hier schon abzeichnende Rhythmus sollte die ganze Tour über Bestand haben. Was übrigens die Frage nach der Uhrzeit recht schnell überflüssig machte. Denn den Tagesablauf konnte man mit Hell, Dunkel und Glocke gemütlich in die drei primären Zeiten aufteilen. Wobei das Aufstehen meist kurz vor Hell stattfand, das Schlafen jedoch deutlich nach Dunkel, wahrscheinlich so gegen 22:00 Uhr, genau weiß ich es nicht. Und überhaupt, wen interessiert's? Was die Glocke betrifft? Nun ja, da gab es zwei Alternativen. Läutete sie, bedeutete es Briefing (Tauchen) oder Essen. Nichts anderes. Und es gab Tage, da läutete sie achtmal. Und es gab Momente, da stand man noch im Tauchanzug an Deck, da läutete sie schon zum Mittagessen oder zum nachmittaglichen Snack. Nach meiner Definition der Bordzeit, also der kurz vor Dunkel Imbiß.....
Es ist fast zum Schreien Schade, dass die Dunraven kieloben liegt. Die Mischung aus Dampf- und Segelschiff ist 1876 gesunken und noch wirklich gut erhalten. Dabei ist sie sogar, mit Ausnahme des abgebrochenen Bugteils, über die gesamte Länge innen recht bequem zu betauchen. Und würde es nicht kieloben liegen, wäre es eine noch um einiges bessere Kulisse für Fotografen und Filmer. Dennoch ist das Betauchen des Wrack ein Erlebnis, besonders an der Bruchstelle und im Heckbereich mit der Schraube und dem wirklich gewaltigen Ruder. Doch die Dunraven war nur der Beginn. Gleich nach dem Tauchgang ging die Ghazala Voyager auf Westkurs. Kreuzte den Kanal, der die Sinaihalbinsel von Afrika trennt, mit den vorgelagerten Riffen von Abu Nuhas.
Noch vor dem Mittagessen tauchten wir zur Carnatic. Diese ist, so wie die Dunraven, ein mehr als 100 Jahre altes Dampf- und Segelschiff. Dabei liegt die Carnatic jedoch auf der Backbordseite und weist insgesamt weniger Beschädigungen auf. Allerdings sucht man auch hier Aufbauten vergebens, was aber konstruktionsbedingt schiffstypisch ist. Überdies ist der Platz noch bekannt für häufige Delfinsichtungen. Und tatsächlich war das ein oder andere Geräusch zu hören, so dass man glauben konnte, dass sie zumindest in der Nähe waren.
am Heck der Ghiannis D.
Den Abschluß des Tags bildete die Ghiannes D. Das Schiff ist wie die Carnatic aufs Riff gelaufen und gesunken, steht jedoch mehr oder weniger aufrecht. Das Heck ist sehr gut erhalten, das Mittelteil jedoch kaum mehr als ein Haufen Schrott. Der Bug hingegen ist wieder in gutem Zustand. Am interessantesten bleibt aber das Heck, in welches man auch hinein tauchen kann. Selbst ein Abstieg in den Maschinenraum ist möglich, den man anschließend über die Bruchstelle wieder verlassen kann. Es ist zwar keine Herausforderung die Brücke zu betauchen, aber es kann einem im wahrsten Sinne des Wortes die Optik knicken. Der Umstand, dass sich das Wrack in einer Schräglage von gut 45 Grad befindet, bringt beim Tauchen in der weiträumigen Brücke den Gleichgewichtssinn ins Schwitzen. Denn die Fensterfront simuliert eine optische Horizontlinie, die dem allgemeinen horizontalen Tauchgefühl deutlich widerspricht. Und nicht wenige sind versucht, beim Verlassen der Aufbauten ein Gefühl der Irritation regelrecht abzuschütteln. Normalerweise erwartet man im Roten Meer Sichtweiten von mehr als 30 Meter. Eine Sichtweite, die auch beim Abstieg zur Rosalie Möller zu sehen war. Allerdings nur die ersten 20 Meter, denn als die Umrisse des Wracks aus tiefblauem Nichts auftauchten, reduzierte sich die Sichtweite auf etwa 15 Meter. Und dennoch, oder gerade deswegen, war es ein beeindruckender Tauchgang. Und ein überaus lebendiger. Egal, wo man hinblickte, zeigten sich Schwärme von Fischen. So viele, dass selbst die nachtaktiven Rotfeuerfische sich Logenplätze suchten und dem Treiben um sie herum zusahen, als wäre es ein besonders sehenswerter Kinofilm. Das Wrack selbst ist bestens erhalten und steht aufrecht in 45 Meter Tiefe. Allerdings ist es nicht empfehlenswert tiefer als das Hauptdeck zu tauchen, was eine Durchschnittstiefe von 33 Meter bedeutet. Auch eine komplette Erkundung des Wracks ist wenig sinnvoll. Stattdessen sollte man sich für den vorderen, oder hinteren Teil entscheiden und diesem dann die vollen 20 Minuten Grundzeit, die man hier hat, gönnen.
Eingang zur Brücke der Ghiannis D.
Am Heck der Carnatic
Reling der Rosalie Möller
Fischschwärme im Bereich der Aufbauten
Die Thistlegorm hingegen ist ein Wrack, das erstmalig von Jaques Cousteau betaucht und dokumentiert wurde. Für das Sporttauchen wiederentdeckt wurde es durch eine Expedition des ZDF, Mitte der 90er Jahre. Seitdem ist die Thistlegorm wohl das beliebteste Wrack im Roten Meer und wird entsprechend betaucht. Was bedeutete, dass schon um 10:00 Uhr nicht weniger als 7 Schiffe am Tauchplatz waren. Allerdings ist die Thistlegorm groß genug, so das sich auch größere Gruppen bequem über das Wrack verteilen können. Dabei muß man jedoch immer mit Strömung rechnen, die an diesem Tag von steuerbord nach backbord über das Wrack zog. Allerdings ist es einfach bei den imposanten Aufbauten der Thistlegorm ausreichend Strömungsschatten zu finden, um ohne große Anstrengung vom Bug bis zum Heck zu kommen. So kann man den ersten Tauchgang für eine äußere Erkundung des Wracks nutzen, wobei man sich zwischen 17 und 28 Meter Tiefe bewegt. Den zweiten Tauchgang, den man hier unbedingt machen sollte, führt einen dann ins Innere des Wracks. Und lohnenswert sind hier die beiden großen Laderäume im Vorschiff. Zwar ist es vielleicht nicht jedermanns Vergnügen, sich taucherisch in engen Räumen zu bewegen, jedoch ist es hier wirklich empfehlenswert, da man von jeder Position aus mit wenigen Flossenschlägen den zentralen Ladeschacht erreicht, über den man das Innere verlassen kann. Gewiss gibt es noch eine Unzahl weitere Räume, die betauchbar sind, aber um wirklich alles zu sehen, dürften auch 10 Tauchgänge noch zu wenig sein. Doch man kann ja schließlich wiederkommen und muß nicht versuchen, alles auf einmal zu sehen. So hätte diesmal, nicht allein wegen der ungünstigen Strömungsverhältnisse, ein Besuch des Umfelds des Wracks mit den beiden Lokomotiven zuviel Zeit gekostet. Aber wie gesagt, man kann ja wiederkommen. Besondere Tauchgänge erfordern manchmal besonderen Einsatz. Besonders, wenn man mal wieder zwei Tauchplätze auf einmal auf dem Programm hat. Wie zum Beispiel in Eel Garden. Der dortige Canyon liegt abseits der normalen Tauchroute und überdies in gut 35 Metern Tiefe. Überaus eng, verwinkelt und mit Löchern im Boden, die die wahre Tiefe des Canyons nur ahnen lassen. Dem Besuch des Canyons folgte ein Freiwasseraufstieg auf 10 Meter Tiefe und etwa 15 Minuten Gepaddel durch nichts als Wasser. Gut, der Grund war schemenhaft zu erkennen, ein paar Fische waren um uns herum und über uns die Sonne, aber sonst nur Wasser und Flossen. Bis schließlich eine senkrechte Wand auftauchte, die zum Tauchplatz Shark Observatory gehörte. Den Namen trägt der Tauchplatz, weil vom gut 20 Meter über dem Wasser liegenden Plateau aus Haie beobachtet werden können. Jedenfalls wenn sie denn da sind. Diesmal waren sie es nicht, obwohl dieser Wandertag von Tauchgang gute Chancen, speziell während des Freiwasserteils, für Haisichtungen geboten hatte. Leider waren die Haie weniger interessiert. Die nachfolgenden Tauchgänge an Ras Za'atar und Ras Ghozlani waren mit leichter Strömung versehen und gingen nach dem Motto; "Immer an der Wand lang...." Anschließend erreichte die Voyager eine malerische Bucht, in der man einen wirklich traumhaften Sonnenuntergang genießen konnte. Aber damit war dieser Tauchtag noch nicht zu Ende. Denn das Schiff hatte direkt an einem der besten Nachttauchplätze festgemacht. Und der hatte tatsächlich einiges zu bieten. Von jagenden Rotfeuerfischen, über die Schlafstätten von Papageifischen bis hin zu Haarsternen, Garnelen und einer wirklich stattlichen Muräne.
Nachttauchen: Muräne
Nachttauchen: Arabischer Kaiserfisch
Lauernd, regelrecht hypnotisch
und plötzlich unglaublich schnell
Nach diesem recht ausgiebigen Tauchtag mit insgesamt 4 Tauchgängen machte sich die Ghazala Voyager noch vor dem Wecken auf den Weg zur Straße von Tiran. Die dortigen Tauchplätze sind berühmt für gute Sichtweiten, tollen Bewuchs und guter Chance auf Großfische. Allerdings auch für Wellen und Strömungen. Doch nicht so an diesem Tag. Bestes Wetter, strahlende Sonne, kaum Wind und ein wirklich spiegelglattes Meer empfing uns. Und entsprechend ruhig glitten die Zodiacs über die Wellen Richtung Jackson Riff. So ruhig, dass sogar Filmen während der Fahrt möglich war. Doch unter Wasser zeigte das Meer ein anderes Gesicht und erwartete uns mit einer moderaten Strömung, die kurz vor dem nördlichen Ende des Riffs noch einmal richtig anzog. Leider war der wirklich große Napolenfisch etwas zu tief. Zwar war er immer noch gut zu sehen, aber zu weit weg für die Kameras. Richtig Spaß machte es dann noch einmal, als die Strömung uns mit zunehmendem Tempo auf's Nordplateau trieb und sich dort auflöste. Mitten zwischen den schönsten Korallen. Für den zweiten Tauchgang war mal wieder etwas besonderes geplant. Ein, Ras Goma genanntes Riff, das zwischen Woodhouse und Jackson Riff liegt. Von der Nordspitze des Woodhouse stößt man in 25 Meter Tiefe auf ein Riff, das schräg aufs Jackson Riff zuläuft. Um aber zum Jackson Riff zu gelangen, muß man in 30 bis 35 Meter Tiefe queren. Wobei aber im gesamten Bereich von Ras Goma mit starker Strömung zu rechnen ist. Nun, diesmal war die Strömung gnädig, was dem Tauchgang zu Gute kam. Aufgrund der außergewöhnlichen Lage und Strömungsverhältnisse ist dieser Tauch- gang, der beim Woodhouse Riff beginnt und über dieses tiefe Riff zum Jackson Riff führt, eine Angelegenheit, die nur von erfahrenen Tauchern angegangen werden sollte. Allerdings ist ein gemütlicher Tauchgang am Woodhouse Riff auch nicht zu verachten. In jedem Fall bequemer, ebenso sehenswert und eine wirklich gute Alternative zum Ras Goma Action Dive. Der letzte Tauchgang des Tages führte zur South Lagoon Outside. Nachdem die Voyager bereits auf der Innenseite den Liegeplatz für die Nacht belegt hatte, bedeutete dies eine etwas längere Zodiacfahrt zum Tauchgebiet. Aber bei dem immer noch spiegelglatten Meer mehr ein Vergnügen als lästige Notwendigkeit. Auch die South Lagoon präsentierte uns eine nette Strömung die Flosseneinsatz größtenteils überflüssig machte und den Tauchgang damit zu einem gemütlichen Abschluß des Tages machte.
Spiegelglattes Meer am Jackson Riff
Schneller als man glaubt
Recht zutraulicher Kugelfisch
Bequem in der South Lagoon
Berühmt und berüchtigt ist die Straße von Tiran wegen der 4 Riffe, Jackson, Woodhouse, Thomas und Gordon. Diese sind die Spitzen von unterseeischen Bergen, die aus bis zu 250 Meter Tiefe aufragen und die Engstelle am Eingang zum Golf von Aqaba zu einer gefährlichen Passage für Schiffe machen. Für Taucher hingegen sind sie ein Paradies mit abwechslungsreichen Tauchgängen, da jedes der Riffe einen eigenen Charakter hat. So ist das Thomas Riff zwar das kleinste, für nicht wenige Taucher aber vielleicht das aufregendste. Das Riff besteht praktisch nur aus Steilwänden und an seiner Ostseite lockt der Thomas Canyon. Diese Spalte im Riff beginnt in etwas über 30 Meter Tiefe, ist anfangs sehr eng und wird mit zunehmender Tiefe breiter. In unregelmäßigen Abständen bilden Felsbrocken natürliche Brücken, unter denen man hindurch tauchen kann. Aber schon beim Ersten erreicht man 40 Meter und der Zweite zwingt einen schon auf über 50 Meter. Wie gesagt, mag der Canyon zwar für viele Taucher ein aufregendes Erlebnis und lockendes Ziel sein, aber weiter oben und speziell in den Spalten und Grotten der Steilwand gibt es wesentlich mehr zu sehen. Ganz anders hingegen das Gordon Riff. Hier findet man ausgedehnte Sandflächen und einen wirklich fantastischen Bewuchs. Echte Steilwände gibt es kaum, hier sind es mehr Steilhänge, über denen ganze Schwärme junger Wimpelfische und ebenso junger und entsprechend kleiner Drückerfische in der Strömung nach Nahrung schnappen. Interessant ist die Untersuchung der Ölfässer, die hier zu finden sind. Das Öl hat eine feste, gummiartige Konsistenz angenommen und kann auch angefasst werden. Nur sollte man aufpassen, dass nichts an die Ausrüstung gelangt und darauf achten, die Hände noch unter Wasser vollständig zu reinigen. Denn über Wasser ist das Zeug kaum noch abzukriegen. Hat man die Ölfässer hinter sich, taucht man gemütlich in flacheres Wasser über schneeweißen Sand, in dem sich das Licht der Sonne in den Farben des Regenbogens spiegelt. Und das einzige, worauf man aufpassen muß, ist, dass man den Feuerkorallen nicht zu Nahe kommt, die es hier in großer Zahl gibt. Spät ist es, als die Voyager die Straße von Tiran in Richtung Sharm el Sheikh verläßt. Es ist der letzte Tag der Tour und die Sonne steht schon weit hinter dem Zenit. Ein wenig Wehmut macht sich breit, bei dem Gedanken, am nächsten Morgen das Schiff zu verlassen. Doch noch ist die Tour nicht zu Ende und ein letztes Mal legen die Zodiacs ab. Ras Umm Sid, ein Platz direkt an der Küste. Ein Platz, wo ein Steg zur Riffkante führt und Schnorchler und Schwimmer ins Wasser gehen. Und ein Platz, der unter Wasser vielseitiger ist, als es scheint. Zu Beginn findet man eine Steilwand, an dessen Ende wohl die größte Ansammlung von Fächerkorallen steht, die sich in diesem Teil des Roten Meeres finden läßt. Anschließend beginnt ein Plateau, gespickt mit schlanken und teilweise bizarr geformten Felstürmen. Und wenn man dann noch einen seltenen Bogenstirn Torpedorochen findet, hat man einfach nur noch gute Laune. Und die steigerte sich noch an Bord der Zodiacs. Denn die recht lange Rückfahrt zur Voyager bot nicht nur abermals spiegelglatte See, sondern auch den Blick auf eine traumhaften Sonnenuntergang. Schöner geht's nicht. Und wie heißt es mit recht; 'wenn's am schönsten ist, soll man aufhören.....' (c) Herbert Böhm (Nov. 2009)
Juwelenbarsch
Bogenstirntorpedorochen
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